Hermeneutik und Technik Martin Heideggers Auslegung des Lebens und der Wissenschaft als Antwort auf die Krise der Moderne 292 Seiten, ISBN 3-8260-3059-1 Trierer Studien zur Kulturphilosophie Bd. 12 Würzburg: Verlag Königshausen & Neumann 2005
Am Ende seines Denkweges erweist sich die ‚Seinsfrage‘ für Martin Heidegger als die Frage nach dem Wesen der modernen Technik und ihrem Verhältnis zum heutigen Menschen. Ziel dieser Untersuchung ist es daher zu zeigen, wie die spätere epochale Kritik an Wissenschaft und Technik mit dem früheren Versuch einer existenzialen Konstitution wissenschaftlichen Erkennens aus dem technischen Handeln des menschlichen Daseins in der Welt zusammenhängt und auf eine ‚Hermeneutik des Lebens‘ zurückweist, die Heidegger in Auseinandersetzung mit alternativen Ansätzen bereits seit seinen frühen Freiburger Vorlesungen formuliert hat. Während die Neukantianer und Phänomenologen in erster Linie darum bemüht waren, der akademischen Philosophie selbst ihre Bedeutung als ‚Wissenschaft‘ in einem strengen und umfassenden Sinne wieder zu verleihen, führte die Berufung auf das ‚Leben‘ als epistemische oder metaphysische Letztinstanz zu einem Spektrum an Konsequenzen, das sich von einer Wissenschaftsfundierung mittels der Transformation des traditionellen Rationalitätsmodells bis hin zu einer krisisdiagnostischen und ideologieanfälligen Wissenschaftsfeindschaft erstreckt. Beide Pole finden sich im Werk Martin Heideggers vermittelt und stellen den Zusammenhang zwischen der Philosophiekonzeption vor und nach der sogenannten ‚Kehre‘ her. Durch diese konstellative Interpretation kann somit dargelegt werden, dass der hermeneutische Schlüssel zu Heideggers Früh- und Spätwerk im Übergang von einer ‚Aneignung‘ Diltheys zur ‚Auseinandersetzung‘ mit Nietzsche zu suchen ist, und die Komplementarität von Konstitution und Kritik für die Analyse einer zunehmend technologisch imprägnierten Lebensform anzeigt. In diesem Sinne eröffnen das methodische Paradigma der Hermeneutik und das thematische Phänomen der Technik den Horizont für Heideggers Auslegung des Lebens und der Wissenschaft als Antwort auf die Krise der Moderne.
Erinnerung Philosophische Positionen und Perspektiven Hrsg. v. Christian Lotz, Thomas R. Wolf u. Walther Ch. Zimmerli 274 Seiten, ISBN 3-7705-4018-2 München: Wilhelm Fink Verlag 2004
In diesem Aufsatzband sind philosophische Relektüren und Reinterpretationen einschlägiger Positionen zum Thema „Erinnerung“ versammelt. Die lange Traditionslinie von Platon, über John Locke und Friedrich Nietzsche, bis hin zu Henri Bergson und Ludwig Wittgenstein wird mit systematischen Perspektiven hinsichtlich der kognitiven und ethischen Bedeutung des Erinnerns verknüpft. Besondere Aufmerksamkeit wird dabei den aktuellen Debatten um die Medialisierung und Politisierung von Erinnern und Vergessen gewidmet. Sowohl der Zusammenhang zwischen neuro- und kognitionswissenschaftlicher Theoriebildung und medialer Technologisierung als auch die wechselseitige Beeinflussung natur- und kulturwissenschaftlicher Fragestellungen lassen es nämlich als zweifelhaft erscheinen, ob es sich bei diesem komplexen Problemfeld überhaupt um ein einheitliches Phänomen handelt. In jedem Fall bedarf es aber bei der gegenwärtigen Konjunktur der Erinnerung in wissenschaftlichen und öffentlichen Diskussionen einer Reflexion auf den Zusammenhang von Zeit und Geschichte, Identität und Kultur.
Weitere Veröffentlichungen:
AUFSÄTZE
Vom
Verhängnis zum Verhältnis. Klages, Heidegger und die technologische Postmoderne,
in: Hestia. Jahrbuch der
Klages-Gesellschaft 20 (2000/01), 51-71
»...denn
das Problem der Wissenschaft kann nicht auf dem Boden der Wissenschaft erkannt
werden« - Wissenschaft als
Lebens-Auslegung bei Nietzsche, in: Renate
Reschke (Hg.): Zeitenwende – Wertewende.
Internationaler Kongreß der Nietzsche-Gesellschaft zum 100. Todestag Friedrich
Nietzsches vom 24.-27. August 2000 in Naumburg, Berlin: Akademie-Verlag
2001, 307-310
Vom
SinnesDing zur SinnGeschichte. Narrative Phänomenologie bei Husserl und Schapp,
in: David Carr; Christian Lotz (Hg.): Subjektivität
– Verantwortung – Wahrheit. Neue Aspekte der Phänomenologie Edmund Husserls,
Frankfurt a. M. [u. a.]: P. Lang 2002, 303-323
Konstitution
und Kritik der Wissenschaften bei Heidegger, in: Zeitschrift für philosophische Forschung 57 (2003), 94-110
Leben
in Geschichte(n). Zur Hermeneutik des historisch-narrativen Subjekts, in:
Stefan Deines; Stephan Jaeger; Ansgar Nünning (Hg.): Historisierte Subjekte – Subjektivierte Historie. Zur Verfügbarkeit und
Unverfügbarkeit von Geschichte, Berlin/New York: W. de Gruyter 2003, 47-61
Einleitung,
in: Christian Lotz; Thomas R. Wolf; Walther Ch. Zimmerli (Hg.): Erinnerung. Philosophische Positionen und
Perspektiven, München: W. Fink 2004, 7-15
Die
Gewalt des Gedenkens. Erinnern und Vergessen bei Nietzsche und Heidegger, in: Christian Lotz; Thomas R. Wolf;
Walther Ch. Zimmerli (Hg.): Erinnerung.
Philosophische Positionen und Perspektiven, München: W. Fink 2004, 119-143
Das
eigene Leben (be)schreiben. Konjunktur oder Krise der Autobiographie?,
in: Der Ratgeber für neue Autoren
2006/2007, Frankfurt a.M.: Verlag R. Stephan 2005, 63-70
Der
Autor zwischen Recht und Pflicht. Grundsätzliches aus Erfahrung,
in: Der Ratgeber für neue Autoren 2006/2007,
Frankfurt a.M.: Verlag R. Stephan 2005, 181-195 (Download als pdf-Dokument)
Sinnverlust oder Sinnverzicht. Ansätze zu einer
Hermeneutik der Technik bei Husserl und Heidegger, in: Julia Jonas; Karl-Heinz
Lembeck (Hg.): Mensch – Leben – Technik.
Aktuelle Beiträge zur phänomenologischen
Anthropologie, Würzburg: Königshausen & Neumann 2006, 301-318
Jeffrey A. Barash: Heidegger und der Historismus. Sinn der Geschichte und Geschichtlichkeit
des Sinns, Würzburg: Königshausen & Neumann 1999,
in: Philosophischer Literaturanzeiger 53
(2000), 328-330
Dean Komel (Hg.): Annäherungen.
Zur hermeneutischen Phänomenologie von Sein und Zeit, Ljubljana: Nova
Revija 1999, in: Journal Phänomenologie 13 (2000),
71-73
Von
Hitler zu Nietzsche? Otto Pöggeler über Kontext und Krisen Martin Heideggers –
Otto Pöggeler: Heidegger in seiner Zeit,
München: W. Fink 1999, in: literaturkritik.de Nr. 7
Juli/August 2000 <http://www.literaturkritik.de/txt/2000-07-123.html>
Der Wanderer und seine Stätten. Eine
Topographie Friedrich Nietzsches –
David Farrell Krell; Donald L. Bates: Nietzsche.
Der gute Europäer, München: Knesebeck 2000, in: literaturkritik.de Nr. 9 September 2000 <http://www.literaturkritik.de/txt/2000-09/2000-09-0087.html>
R.
Elm; K. Köchy; M. Meyer (Hg.): Hermeneutik
des Lebens. Potentiale des Lebensbegriffs in der Krise der Moderne,
Freiburg/ München: K. Alber 1999,
in: Journal Phänomenologie 14 (2000),
63-66 <http://www.journal-phaenomenologie.ac.at/texte/jph14_rez1.html>
Trish Glazebrook: Heidegger’s
Philosophy of Science, New York 2000,
in: Journal Phänomenologie 16 (2001),
80-82
Hans-Helmuth
Gander: Selbstverständnis und Lebenswelt.
Grundzüge einer phänomenologischen Hermeneutik im Ausgang von Husserl und
Heidegger, Frankfurt a.M.: V. Klostermann 2001, in: Journal Phänomenologie 17 (2002), 68-71
Vom Martialischen zum Pragmatischen. Ein
kooperativer Kommentar zum Klassiker »Sein und Zeit« – Thomas
Rentsch (Hg.): Martin Heidegger – Sein
und Zeit, Berlin: Akademie-Verlag 2001, in: literaturkritik.de Nr. 3 März 2002 <http://www.literaturkritik.de/txt/2002-03/2002-03-0072.html>
Jae-Chul
Kim: Leben und Dasein. Die Bedeutung
Wilhelm Diltheys für den Denkweg Martin Heideggers, Würzburg: Königshausen &
Neumann 2001,
in: Journal Phänomenologie 18 (2002),
57-60
Alles Erkämpfte wird handlich. Ein
Heidegger-Handbuch als Werkzeug des Denkens –
Dieter Thomä (Hg.): Heidegger-Handbuch.
Leben – Werk – Wirkung, Stuttgart/Weimar: J. B. Metzler 2003, in: literaturkritik.de Nr. 11 November 2003 <http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=6494>